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Vor 75 Jahren...

Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges im nördlichen Münsterland

Vorbemerkung: "Der Inhalt basiert auf Auswertungen von schriftlichen Zeugenaussagen überlebender Luftwaffenhelfer und Nachbarn, die den Vorgang als Augenzeugen beobachteten[,] sowie den autobiografischen Aufzeichnungen des ehemaligen Luftwaffenhelfers Josef Chovanec. [...] Lediglich die Dialoge wurden nachgestellt." Vorabzug des Buches "Der lange Schatten der Vergangenheit" des Heimatvereins Saerbeck.

Saerbeck. Am 1. April 1945 ging für die Gemeinde Saerbeck der Zweite Weltkrieg zu Ende. An diesem Tag rollten um 4 Uhr morgens die ersten Panzer in das Dorf ein. Sie befreiten den Ort von zwölfjähriger nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Hierbei gab es keinerlei Widerstand. Im Gegenteil, die einrückenden Truppen wurden mit weißen Tüchern begrüßt. Alle waren froh, dass der jahrelange Krieg endlich vorbei war.

Die Zeichen des friedlichen Ergeben waren bereits Stunden zuvor am Kirchturm und an vielen Häusern angebracht worden.

"Das war ein großes Glück", weiß Alfred Maimann zu berichten. Als 10-Jähriger hat er als Augenzeuge miterlebt, wie am Tag zuvor gegen Mittag ein Militärmotorrad durch das Dorf geknattert kam und auf dem Kirchplatz anhielt. Im Beiwagen des Krads saß damals ein deutscher Oberstleutnant. Dieser stürmte die Amtsstube und drohte dem Bürgermeister, ihn zu erschießen und die Häuser sowie Höfe in Schutt und Asche zu legen, wenn er nach seiner Rückkehr aus Emsdetten noch weiße Fahnen sehen würde. Dann wandte er sich der Kaplanei zu. Auch dem Kaplan setzte er ein Ultimatum und drohte, den Kirchturm beschießen zu lassen, wenn er auf dem Rückweg aus dem Nachbarort noch einen weißen Zipfel am Gotteshaus flattern sehen könnte. Der Geistliche wandte sich daraufhin an Alfred, der gerade auf dem Kirchplatz spielte, mit den Worten: "Dein Bruder Heinrich ist doch gerade auf Fronturlaub zu Hause. Frag ihn bitte, ob er mir seine Dienstwaffe leihen kann. Ich brauche sie, um Schlimmeres zu verhindern, wenn der Oberstleutnant von Emsdetten zurückkommt." Bereit, den Oberstleutnant zu erschießen, wartete der Kaplan auf der Marktstraße in Höhe der Gaststätte Unkel/Hagemann mit durchgeladener Waffe auf die Rückkehr des Offiziers. Bange Minuten des Warten vergingen. Der Obstleutnant kam nicht wieder. Auf der Fahrt nach Emsdetten hatten alliierte Scharfschützen ihn und seinen Fahrer im fahrenden Krad erschossen. So blieben die weißen Tücher in Saerbeck hängen und der Kirchturm heile.

Nachdem das Dorf friedlich an die Alliierten übergeben worden war, galt es noch, die Flakstellung Richter einzunehmen. Gegen 10 Uhr begann die Eroberung der Batterie. Zunächst setzten die Alliierten Granaten zur Bekämpfung der vier Flak-Geschütze ein. Als diese zerstört waren, wäre es an der Zeit gewesen, sich zu ergeben. Doch der diensthabende Major ließ weiterkämpfen. Nun rückten sechs Panzer an. Sie kamen auf 200 Meter an die Batterie heran, um sie anschließend unter Beschuss zu nehmen. Erst nach intensiver Beschießung durch die Panzer gaben die noch in der Stellung befindlichen Soldaten und Flakhelfer endlich auf. In der Flakstellung gab es hohe Verluste. Die Gefallenen wurden noch am folgenden Tag auf dem Schachtfeld begraben. Drei Wochen später erfolgte die Überführung auf den Saerbecker Friedhof. Die Grabstätte wurde schon bald mit einer Gedenktafel versehen. Auf ihr sind 22 Namen eingraviert. 14 Getötete sind Jugendliche, das Gros von Jahrgang 1928, die in einem sinnlosen Kampf ihr Leben lassen mussten.

Die Toten mahnen uns, zu jeder Zeit die Lehre aus der deutschen Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 zu beherzigen: die Verpflichtung, unter allen Umständen die Unantastbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen zu achten.

Um das damalige Geschehen nicht zu vergessen, haben Schülerinnen und Schüler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule in Kooperation mit dem Volksbund am "Flakhelfergrab" eine Informationstafel aufgestellt. Die Grabstätte auf dem Friedhof ist heute ein fester Bestandteil des Saerbecker Friedensweges.

Fotos und Text: Heimatverein Saerbeck

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