Meldungen aus dem Bezirksverband Münster

Wissen ist der Feind des Bösen

Gegen das Vergessen hat der Volksbund die Wanderausstellung „Biķernieki – Wald der Toten“ initiiert

Warendorf -

Es gibt immer noch Stimmen, die behaupten, die Gräueltaten während der Zeit des Nationalsozialismus seien Hirngespinste. Andere, die die Zeit miterlebt haben, behaupten, sie hätten von alldem nichts gewusst. So blieb auch die Verschleppung und Ermordung deutscher Juden in das Ghetto nach Riga fast 50 Jahre unbekannt und vergessen. Gegen das Vergessen hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Wanderausstellung „Biķernieki – Wald der Toten“ initiiert. Nun ist die Ausstellung auch in Warendorf angekommen.

Zur Eröffnung am Montagabend in der Aula der Volkshochschule im Alten Lehrerseminar fanden sich viele Interessierte, untere ihnen der ehemalige Stadtdirektor Hellmuth Schmeichel und zahlreiche Vertreter der Bundeswehr, ein.

Nach der musikalischen Begrüßung durch eine Trompetengruppe der Kreismusikschule Beckum-Warendorf gab Bürgermeister Jochen Walter einen Einblick in das jüdische Leben der Stadt Warendorf vor der Arisierung.

Er erzählte auch die Geschichte der Vernichtung der Warendorfer Juden und forderte zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auf. „Wir Deutschen waren nicht unwissend“, bemerkte er knapp und zeigt sich froh, mit der Ausstellung einen Beitrag gegen das Vergessen leisten zu können und „aus dem schweren Erbe Mut zu schöpfen“.

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke ging in seinen Ausführungen noch einen Schritt weiter und nannte die Namen der sechs nach Riga deportierten Juden aus Warendorf. „Wer waren die Ermordeten und Geschundenen?“, fragte er rhetorisch. „Sie waren Menschen wie wir“. Unfassbares werde schnell verdrängt. Und so sieht Klenke das Wissen als einen „wirksamen Feind gegen das Böse“. Er halte es für wichtig, so Klenke, die Opfer der Anonymisierung zu entreißen und ihnen ein Gesicht zu geben: „Persönliche Geschichten betreffen eher als bloße Zahlen. Klenke dankte dem Arbeitskreis Jüdisches Leben in Warendorf für seine Arbeit gegen das Vergessen. „Ich bin überzeugt, dass diese Geschichte uns hilft, das Böse zukünftig zu vermeiden“, so der Regierungspräsident.

Winfried Nachtwei, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen und Experte für Friedens- und Sicherheitspolitik, erzählte eindringlich vom Ghetto in Riga und den Leiden der dorthin Deportierten, die schließlich ermordet wurden. Von November 1941 bis zum Winter 1942 wurden aus dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches in etwa 28 Transporten mehr als 25 000 Juden – Männer, Frauen, Kinder – in den baltischen Raum, in erster Linie nach Riga, deportiert. Nur drei bis vier Prozent von ihnen sollten überleben. Das Ghetto von Riga war ein abgesperrter Randbezirk der lettischen Hauptstadt Riga, in dem deutsche Besatzer während des Zweiten Weltkriegs zunächst lettische Juden internierten. Ab 30. November 1945 wurden Juden aus Deutschland – auch aus dem Münsterland – in das Ghetto getrieben. Nachtwei berichtete von Gesprächen mit Überlebenden, von Massenerschießungen, etwa im Wald von Biķernieki. Der „Hochwald von Riga“ sei mitnichten ein Idyll gewesen: „Der Wald war ein Erschießungsplatz, eine Mordstätte.“ Lediglich 102 jüdische Menschen überlebten die Deportation nach Riga. Das Ghetto wurde als letztes aufgelöst.

Zum Ende seines Vortrags berichtete Nachtwei von einer hoffnungsvollen Zukunft. Die Gründung des Riga-Komitees im Jahre 2000 und die Errichtung der Gedenkstätte seien ein eindeutiges Zeichen gegen das Vergessen und das Böse: „Workcamps und Jugend- und Schulprojekte sind ein lebendiges Band der Begegnung und binden über die Generationen hinweg die Solidarität mit den Opfern.“ VHS-Direktor Rolf Zurbrüggen dankte in seinem Schlusswort für die beeindruckende Einführung und versprach, 75 Jahre nach dem Nationalsozialismus und 25 Jahre nach dem Mauerfall, die Erinnerungsarbeit noch zu verstärken.

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