Meldungen aus dem Bezirksverband Münster

Besuch auf der Gedenkstätte in Riga-Bikernieki

Ahauser Schülerinnen und Schüler begaben sich auf Erinnerungsreise

Ahaus - Riga. Vom 22. bis zum 28. Juni begaben sich Schülerinnen und Schüler dreier Leistungskurse des Alexander-Hegius-Gymnasiums gemeinsam mit ihren Lehren Ulrike Tieck, Andreas Högele, Volker Heide und Marius Sondermann auf eine Erinnerungsreise nach Riga, die in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas ist.

Im Mittelpunkt der Reise stand aber weniger die lebendige Kulturszene, als vielmehr ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Stadt, nämlich die nationalsozialistische Besatzungszeit. Vom November 1941 bis zum Winter 1942 wurden aus dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches in ca. 28 Transporten mehr als 25.000 Juden im Verlauf der nationalsozialistischen „Endlösung der Judenfrage“ in den baltischen Raum, in erster Linie nach Riga, deportiert. Sie wurden grausam gequält und ermordet, u.a. im Ghetto von Riga und in ihrer überwiegenden Zahl im Wald von Bikernieki.

Dank der langjährigen Forschungsarbeit der „Stolperstein-AG“ der Anne-Frank-Realschule unter der Leitung von Hermann Löhring und dem VHS-Arbeitskreis „Ahauser Geschichte 1933-1945“, der von der Historikerin Ingeborg Höting geleitet wird, ist das Schicksal der jüdischen Familien in Ahaus sehr gut dokumentiert. So wissen wir heute, dass am 10. Dezember 1941 von Ahaus aus 22 jüdische Frauen, Männer und Jugendliche sowie Kinder im Alter zwischen 68 und 6 Jahren über Münster nach Riga ins deutsch besetzte Lettland deportiert wurden. Von ihnen überlebten allein die Schwestern Marga und Miriam (Helga) Cohen sowie die Schwestern Ilse und Marianne de Jong.

Aus Ahaus nach Riga deportiert und ermordet wurden der Witwer Moritz Cohen mit seiner Schwester Frieda und seinem Sohn Ernst, Irma Gottschalk mit ihrem Sohn Ernst-Josef und ihren Eltern Adolf und Billa Kahn, das Ehepaar Moses und Else de Jong, Felix Schlösser mit seiner Ehefrau Erna und den Söhnen Leo und Bernhard, Rudolf und Emmy Schlösser mit ihrem Sohn Max, Dr. Max Schlösser und seine Frau Emma.

Für die Jugendlichen war es ein sehr bewegender Moment, als sie im Rigaer Ghetto-Museum unter den über 70.000 Namen auch Namen der ermordeten Jüdinnen und Juden aus Ahaus lesen konnten. Es machte ihnen bewusst, dass hinter jedem dieser zahlreichen Namen ein einzelnes Menschenleben und eine einzigartige Geschichte stehen.

Der Weg in die Vergangenheit führte die Schülerinnen und Schüler auch zur großen Choralsynagoge und dem Okkupationsmuseum, das der Zeit von 1940 bis 1991 gewidmet ist, als Lettland 1939/40 von der Roten Armee, 1941-1944 von der Wehrmacht und danach als Lettische Sozialistische Sowjetrepublik wieder von der Sowjetunion besetzt war.

Im nahegelegenen Hochwald von Bikernieki fanden die Schüler weitere Spuren von jüdischen Bürgern aus dem Münsterland. Am 30. November 2001 hat hier der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auftrag der deutschen Bundesregierung gemeinsam mit dem Riga-Komitee eine würdige Gedenkstätte eingeweiht. Vom zentralen Gedenkplatz, auf dem in Form von aufgestellten Steinen den jeweiligen Opfern aus den Städten des Riga-Komitees gedacht wird, zu denen u.a. auch Vreden, Stadtlohn und Gescher gehören, führt ein Weg – der Weg des Todes – die Besucher der Gedenkstätte zu den einzelnen Grabfeldern. An diesem Original-Schauplatz wurde den Jugendlichen abermals die enge Verbindung bewusst, die mit den Deportationen 1941 zwischen den Herkunftsstädten der Opfer aus ihrer Heimatregion und dem Deportationsziel in Riga entstanden ist.

Mit ihrer Reise in die Vergangenheit haben sich die Schülerinnen und Schüler des AHG bewusst der Vergangenheit gestellt, um zu gedenken, aber auch daran zu erinnern, dass ein freiheitliches demokratisches System ein kostbares gut ist. Die Erfahrungen dieser Reise sollen im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ mit dazu beitragen neue Aktionen zu entwickeln. Für das kommende Jahr ist in Kooperation mit der VHS und dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge eine weitere Fahrt nach Riga geplant, an der neben Schülerinnen und Schülern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger teilnehmen können.

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