Dorsten. Nachdem die Stadt vor zwei Jahren dem vom Volksbund mitinitiierten Deutschen Riga-Komitee beigetreten ist, um an das Schicksal von 25.000 Menschen jüdischen Glaubens zu erinnern, die im Winter 1941/42 aus ihrer Heimat in Deutschland nach Riga (Lettland) deportiert und dort in großer Zahl umgebracht wurden, findet alljährlich ein Riga-Komitee-Tag in Dorsten statt. Mit dem Tag soll alljährlich an den Beitritt sowie an die sich daraus ergebene Verantwortung der Stadtgesellschaft erinnert werden.
Anlässlich der Dorstener Tage des Grundgesetzes eröffnete man am Mittwoch, 20. Mai 2026, im Jüdischen Museum Westfalen die Wanderausstellung des Städtebündnisses mit dem Titel „Riga. Deportationen - Tatorte - Erinnerungskultur“. Mit dem FAZ-Redakteur und Autoren Lorenz Hemicker lud die Stadt Dorsten sich zudem einen ganz besonderen Gast ein, dessen Großvater eng mit den Tatorten in Riga verbunden ist, die dank der Ausstellung noch bis zum 17. Juni 2026 im Jüdischen Museum zu sehen sind. In der Lesung aus seinem aktuellen Buch „Mein Großvater, der Täter“ machte Hemicker deutlich, inwieweit sein Großvater Ernst als Ingenieur der Erschießungsgruben sich an den Verbrechen beteiligte. Vor über 50 interessierten Gästen erläuterte der Autor aber auch, was wir aus dem Fall fürs Hier und Jetzt lernen könnten.
Die Lesung war der Schlusspunkt des Abends, der neben einer Begrüßung durch den Bürgermeister Tobias Stockhoff und einem Grußwort des Zweiten Vorsitzenden des Jüdischen Museums Westfalen, Alexander von Keyserlingk, u.a. mit einer Einführung zur Wanderausstellung von Ayleen Winkler, der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Museums, begann. Zwei Tage zuvor musste die Ausstellung des Riga-Komitees noch für den Besuch des Bundespräsidenten zur Seite geräumt werden. Frank-Walter Steinmeier hatte sich am Montag an der Reinigung von Stolpersteinen in Dorsten beteiligt, auf denen ein paar mit dem Deportationsort Riga beschriftet sind.
Fotos: Ayleen Winkler (Jüdisches Museum Westfalen); Text: Jens Effkemann (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)