Meldungen aus dem Bezirksverband Münster

Zeitzeugenbericht von Sabine Omland

Dokumentation von Schicksalen der Drensteinfurter Juden, die nach Riga deportiert wurden

Mit einem bewegenden Zeitzeugenbericht dokumentierte Sabine Omland vom Synagogenverein das Schicksal der Drensteinfurter Juden, die nach Riga deportiert wurden. Seit Donnerstag widmet sich eine gemeinsamen Ausstellung der Städte Ahlen und Drensteinfurt dem Thema.

Die beiden Städte Ahlen und Drensteinfurt teilen eine schwere Last der Geschichte. Viele Angehörige der jüdischen Gemeinden beider Städte sind im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten nach Riga deportiert und dort zum großen Teil im Wald von Bikernieki ermordet worden. Daran erinnert die Ausstellung mit dem Titel „Riga Bikernieki“ des Deutschen Riga-Komitees, die am Donnerstagabend von beiden Bürgermeistern und Regierungspräsident Dr. Reinhard Klenke im Ahlener Rathaus eröffnet wurde. In seiner Begrüßung bezeichnete es Ahlens Bürgermeister Benedikt Ruhmöller als eine dauerhafte Verantwortung, immer wieder an das NS-Regime und seine unvorstellbare Verbrechen zu erinnern und zugleich „die Menschen, die deportiert und ermordet worden sind, vor dem Vergessen zu bewahren“. Es gehe darum, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Ruhmöller: „Ich bin als Bürgermeister wirklich dankbar dafür, dass in dieser Stadt eine so intensive Erinnerungsarbeit betrieben wird.“ Ganz besonders freue er sich, dass sich die beiden Städte gemeinsam der Verantwortung ihrer Geschichte stellten, denn viele Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Ahlen und Drensteinfurt seien in den Jahren zwischen 1941 und 1942 in das lettische Ghetto in Riga deportiert und später ermordet worden. Insgesamt seien zwischen 1941 und 1942 25 000 Menschen jüdischen Glaubens in die lettische Hauptstadt deportiert worden, sagte Regierungspräsident Dr. Reinhard Klenke in seiner Ansprache. „Es waren Menschen so wie du und ich“, sagte Klenke weiter. Die heutige Aufgabe sei es, den Opfern ein Gesicht zu geben, weil ein einzelnes Schicksal viel mehr berühre als „das Schicksal von Tausenden“. Klenke: „Wir wissen, an welche monströsen Abgrund das Böse führen kann“. Wie sich die Schicksale der Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Ahlen und Drensteinfurt gleichen, zeigten anschließend Manfred Kehr, der sich in Ahlen um die Erinnerungsarbeit in Gestalt der von dem Kölner Künstler verlegten „Stolpersteine“ kümmert, und Sabine Omland auf, die in Drensteinfurt den Synagogenverein leitet. Während Kehr von mindestens zwölf nachgewiesenen Deportationen für Ahlen berichtete, konnte Omland aus dem Bericht einer Zeitzeugin zitieren, die die Verschleppung nach Riga, mehrere Arbeitslager und den „Todesmarsch“ überlebt hat. In aufrüttelnden Worten zitierte Omland aus dem Bericht der Überlebenden, die ihre Mutter und Schwestern in den Lagern verloren hat und die nur einen unerschütterlichen Lebenswillen sogar noch eine schwere Fleckfiebererkrankung überlebt hat. Ihr Leidensweg war nach ihrer Befreiung durch die Rote Armee und ihre Rückkehr nach Drensteinfurt 1945 noch nicht beendet: Dort wurde ihr früheres Elternhaus inzwischen von anderen bewohnt. In Münster fand sie im Gertrudenhof vorübergehend eine Bleibe, ehe sie nach Hessen ging, wo sie ihren späteren Ehemann traf, mit dem sie 1949 ihrem Heimatland, das sie so schlecht behandelt hatte, endgültig den Rücken kehrte und nach Israel auswanderte. In einem kurzen Grußwort dankte Drensteinfurts Bürgermeister Paul Berlage allen Beteiligten, die zu dem Zustandekommen der Ausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge beigetragen hatten, die bis Ende August im Ahlener Rathaus zu sehen ist.

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